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Erhöhte Krebsraten bei Kleinkindern nahe Atomkraftwerken November 15, 2011

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Die „Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken“ wurde 2007 veröffentlicht. Sie ist die weltweit aufwändigste und genaueste Studie, die sich bisher mit der Fragestellung befasste, ob radioaktive Emissionen aus AKWs bei Kleinkindern zu einem erhöhten Krebsrisiko führen. Die Ergebnisse zeigen, dass das Erkrankungsrisiko von Kindern < 5 Jahren steigt, umso näher Kinder an einem AKW wohnen : Die Wahrscheinlichkeit, dass Kleinkinder an Krebs erkranken, steigt um 60%. Das Risiko, an einer Leukämie zu erkranken, steigt sogar um 120%. Die erhöhten Risiken konnten bis zu einer Entfernung von 50 km nachgewiesen werden, das Erkrankungsrisiko nimmt mit der Entfernung vom AKW ab.

Im Normalbetrieb geben Atomkraftwerke verschiedene radioaktive Stoffe ab:

Tritium ist ein Betastrahler mit einer HWZ von 12,3 Jahren. Mit Sauerstoff reagiert es zu „schwerem Wasser“ (HTO), was wie normales Wasser aufgenommen wird. Durch Anreicherung in Organen und direkten Einbau in die Gene kann es Krankheiten und Erbschäden verursachen.

Strontium-90 ist ebenfalls ein Betastrahler, seine HWZ beträgt 28,8 Jahre. Es wird vom Körper wie Ca behandelt, und dadurch in Knochen und Zähnen eingebaut. Deshalb ist es v.a. für Kinder schädlich, da deren Knochen und Zähne noch wachsen. Strontium-90 gilt als gefährlichster Auslöser für Leukämien im Kindesalter.

Da die Zellteilung bei Embryo, Fötus, Säugling und Kleinkind aufgrund von Wachstumsprozessen größer ist, sind diese deutlich strahlenempfindlicher als Erwachsene. Die Zellen eines Embryos besitzen noch nicht die Reparaturmechanismus eines Erwachsenen, diese entwickeln sich erst in der Kindheit.

Die Strahlenschutz-Standards orientieren sich seit 1974 an einem sog. „Reference Man“, d.h. einem 25-30 Jahre alten gesunden weißen Mann mit intaktem Immunsystem und optimalen Zellreparaturmechanismen. Dieser trägt der deutlich höheren Vulnerabilität durch Strahlung beim Embryo keine Rechnung. Die IPPNW fordert deshalb vom Deutschen Bundestag, dass die erlaubten Emissionen aus dem AKW sich an einem strahlensensibleren „Reference Embryo“ orientieren soll.

Quelle: IPPNWaktuell 2009, 3. Auflage

Resümee – 25 Jahre Tschernobyl Juni 9, 2011

Posted by ippnwblog in Atomenergie.
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Vor 25 Jahren kam es im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl zur Kernschmelze. Der Reaktor 4 explodierte und eine radioaktive Wolke breitete sich über Europa aus. In den ersten 10 Jahren nach der Katastrophe gab es einen lawinenartigen Antieg nahezu aller Krankheiten. 90% der Liquidatoren sind bereits Invaliden.

Nur 10% der zu erwartenden genetischen Schäden treten in der ersten Generation auf. Die meisten gesundheitlichen Schäden, die durch Tschernobyl verursacht werden, kommen demzufolge erst noch auf uns zu.

Die IPPNW Deutschland und die Gesellschaft für Strahlenschutz haben eine weltweite Studie zu den gesundheitlichen Folgen von Tschernobyl geführt. Aus dieser ging hervor, dass die Anzahl von Kindern, die mit Genschäden geboren wurden, signifikant anstieg, ebenso die Zahl der Todgeburten.

Das Tschernobylministerium der Ukraine gab öffentlich gekannt, dass 10 Jahre nach dem Reaktorunfall nur noch 18% der evakuierten Bevölkerung gesund waren. Von den nach der Katastrophe geborenen Kindern, deren Eltern erhöhter radioaktiver Strahlung ausgesetzt waren, sank der Anteil der Gesunden innerhalb von 81% im Jahr 1987 auf 30% im Jahr 1996.